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Der alte Altar der Beerfelder Kirche

Beerfelde, den 30.03.2010

Genau genommen müsste man von einem Altarretabel sprechen. Damit bezeichnet man einen Altaraufsatz (im deutschen Sprachgebrauch oft einfach mit Altar gleichgesetzt), der entweder direkt auf den Altartisch aufgesetzt ist, oder auf einem separaten Unterbau dahinter aufgestellt oder an der Wand befestigt ist. Der Name kommt vom lateinischen Wort retabulum, das sinngemäß „rückwärtige Tafel“ bedeutet. Das Gegenstück zum Retabel ist das Antependium, das an der vorderen Kante angebracht vor dem Altartisch hängt. Diese Form der Altargestaltung kam im Mittelalter auf.

„Im J(ahr) 1671 ist die Beerfeldische Kirche in Feuer aufgegangen und samt allen Glocken eingeäschert worden.“ Mit großer Anstrengung wurde der Wiederaufbau begonnen. Dabei erhielten die Beerfelder nicht nur von Einzelpersonen, sondern auch von Nachbargemeinden manche Unterstützung.

Auf den alten Rechnungsblättern von 1675 sind 13 Zuwendungen notiert, an erster Stelle: „Die Fürstenwalder Kirche gab einen alten Altar.“ Im gleichen Jahr wurde auch die heute nur noch teilweise vorhandene Kanzel gestiftet: „10. Peter Müller, vornehmer Kauf- und Handelsmann nachmals Rathsherr zu Fürstenw. gab e(ine) neue Kanzel.“ (Jetzt mit Jesus und den 4 Evangelisten bemalt.)

Erst nachdem der Kirchbau weiter fertig gestellt war und anderes Inventar angeschafft wurde (z.B. Gestühl und Bibel gestiftet, Aufbau des Kirchturms, 1679 Anschaffung der Glocken, 1690  Holzdecke im Kirchenschiff, Anschaffung von Leuchtern, Taufe 1694, Abendmahlsgerät 1704), wurde der Altar(aufsatz) ein erstes Mal restauriert. Im Lagerbuch auf S. 45 ist notiert: „1713 Altar und Kanzel malen, vergolden und mit Sprüchen zu versehen 66 Thlr.“ Diese Jahreszahl findet man auch auf der Rückseite des Altaraufsatzes und ebenso für den Betrachter unsichtbar die Aufschrift: „Oscar Danker, Maler aus Frankfurt / Oder im Juni 1864“ Vermutlich ist da die schöne Bemalung überstrichen worden. Genaueres wird man erst durch die Restaurierung erfahren. Die älteren Beerfelder kennen den Kirchraum noch vor der Restaurierung, die der Gemeindekirchenrat am 19.2.1961 beschlossen hat: „ Die Renovierung des Kirchraums soll mit einem neuen Gestühl, elektrischer Heizung und neuen Fenstern erfolgen.“

Der damals recht bekannte Grafiker Herbert Seidel lieferte die Entwürfe für die Gestaltung der Glasfenster und des Metallkreuzes am neuen steinernen Altartisch. Das alte Kirchengestühl im Altarraum und Kirchenschiff wurde entfernt und neue Bänke mit Bankheizungen eingebaut. Die Kanzel wurde an die andere Seite umgesetzt, die Fenster erneuert und vier neue Register in die Orgel eingebaut.

Zwei Jahre später am 21.7.1963 wird der neu gestaltete Kirchraum zusammen mit der wieder instand gesetzten Orgel im Rahmen eines Gottesdienstes vormittags und einer geistlichen Musik am Nachmittag in den gottesdienstlichen Gebrauch genommen.

Vom alten Altar war das Altarretabel auf den Dachboden der Kirche ausgelagert worden. Etwa 30 Jahre später ist der Altaraufsatz mit seinen beiden Tafelbildern trotz der extremen klimatischen Bedingungen auf dem Kirchboden immer noch erhalten. Pfarrer Müller aus Schönfelde beginnt mit der Gemeinde im Advent 1994 für die Restaurierung zu sammeln und lässt von Dankwart Kühn aus Neuzelle 1995 ein Gutachten erstellen und erste Sicherungsarbeiten durchführen, aber durch dringende Bauaufgaben an den beiden Kirchen ist an eine Restaurierung vorerst nicht zu denken. Die nächsten Jahre lagern die einzelnen Teile in einem Hofgebäude eines Mitglieds des Gemeindekirchenrats. 2003 rät ein Restaurator dem Gemeindekirchenrat, die Teile des Altaraufsatzes anders zu lagern und ermutigt zur Restauration. Seitdem war der Beerfelder Altar im Turmraum der Jänickendorfer Kirche zu sehen.

Mit dem Kostenvoranschlag für die Restaurierungsarbeiten von der Restauratorin Marita Reincke aus Berlin vom 11.5.2006 begannen die Bemühungen um die Finanzierung. Im Juni 2008 beschließt der Gemeindekirchenrat die Restaurierung, aber erst ein Jahr später waren alle Mittel zusammen. Am 13.7.2009 wurde mit einem Festempfang in der Kirche Jänickendorf der Altar verabschiedet. Im März besucht eine Gruppe der Kirchengemeinde Beerfelde die Restaurierungswerkstatt in Berlin. Zum Pfingstfest 2010 soll der Altaraufsatz wieder in die Beerfelder Kirche zurückkehren.

 

Für den Gemeindekirchenrat möchte ich mich besonders für die Unterstützung durch die Ortsgemeinde vor allem durch Herrn Funke, Herrn Wittig und Herrn Jungbluth und die fachliche Beratung durch die Baubeauftragte des Kirchenkreises Frau Kobalz bedanken.

Ebenso gilt besonderer Dank allen Spendern für die Kosten der Restaurierung:

Fam. Bender, Herr Funke, Herr Langisch, Fam. Lauermann, Fam. von Lekow, Frau Rosengart, Frau Dr. Sichting, Herr Schimming, Fam. Dr. Schneider, Frau Sott, Fam. Ziedler, Herr Dr. Ziedler, Herr Witte, die Mitglieder der „Langen Nacht der Museen“, Firma Puhlmann GbR Beerfelde, die Gemeinde Steinhöfel, der Landkreis Oder-Spree Untere Denkmalschutzbehörde, die Stiftung der Sparkasse Oder-Spree, das Landesamt für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung, das Kirchliche Bauamt der Evangelischen Kirche Berlin – Brandenburg - schlesische Oberlausitz

 

Ihre Spende können Sie mit dem Vermerk „Altar“ auf unser Konto

 

               Konto-Nr.       8-777-919

               BLZ                 21060237

               bei der Evangelischen Darlehensgenossenschaft (EDG) Kiel

 

überweisen. Für größere Spenden stellen wir auch gern eine Spendenbescheinigung aus.

 

Der Konfirmationsgottesdienst am Pfingstsonntag wird der erste Gottesdienst mit dem wieder aufgestellten Altar sein.

 

Im Rahmen der Veranstaltungen zum 725jährigen Dorfjubiläum von Beerfelde laden wir sehr herzlich zum festlichen Konzert mit der Wiedereinweihung des Beerfelder Altars ein.

 

Text und Foto:   Pfr. Jörg Hemmerling

 

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Der alte Altar der Beerfelder Kirche

 
 
 
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