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Unser Amtsblatt mit dem komischen Namen

 

Jede Gemeinde, selbst wenn sie so klein wie die unsrige ist, braucht ein Amtsblatt, um ihrer Informationspflicht gegenüber den Bürgern nachzukommen. Und ein Amtsblatt braucht einen Namen; so jedenfalls die Meinung des Amtsausschusses 1993, als „Der falsche Waldemar" als amtliches und aktuelles Mitteilungsblatt des Amtes Steinhöfel/Heinersdorf ..." am 1. Juni erschien.

 

Einen Vorläufer selben Namens hatte es schon als „Kostenloses Mitteilungs- und Anzeigenblatt für Heinersdorf und Behlendorf" seit dem 15. Oktober 1991 gegeben. Und Heinersdorf war schließlich die größte der elf Gemeinden des 1992 gebildeten Amtes Steinhöfel/Heinersdorf, aus dem 2001/2003 unsere heutige Gemeinde Steinhöfel mit zwölf Ortsteilen hervorging.

 

Bei der Namenssuche stand der damalige Heinersdorfer Ortschronist, der ehemalige Sportlehrer Edgar Schäfer Pate. Er hatte herausgefunden, dass es im Oktober 1348 ein Heerlager zu Heinersdorf bei Müncheberg gegeben hatte, durch welches u. a. die historische Gestalt des Falschen Waldemar urkundlich belegt ist.

 

Dieser Waldemar, der eigentlich ein Müller- oder Bäckergeselle war, wurde anlässlich des Heerlagers zu Heinersdorf durch Kaiser Karl IV. als der bereits 1319 verstorbene Waldemar, Markgraf von Brandenburg aus dem Hause der Askanier (Anhaltiner), wieder in Amt und Würden gesetzt. Seit 1323 wurde die Mark nämlich durch den vom Kaiser eingesetzten Statthalter Ludwig den Älteren von Bayern (den Römer) regiert. Doch die Bayern waren bei den Brandenburgern offenbar nicht sehr beliebt. Sie erhoben zwar Steuern und Abgaben von der Bevölkerung, doch es gelang ihnen nicht, den verwilderten Brandenburger Landadel zu zähmen, der durch Fehden und Wegelagerei den Landfrieden störte.

 

Jedenfalls wurde die bayrische Herrschaft mit Billigung des Kaisers durch den Falschen Waldemar, der bereits zwei Jahre zuvor erklärt hatte, wegen der Verheiratung mit einer nahen Verwandten zur Sühne nach Jerusalem gepilgert zu sein, für kurze Zeit unterbrochen.

 

In der Bevölkerung war er wie der eigentliche Markgraf Waldemar der Große (1308 - 1319) beliebt. Dieser war ein kühner, unternehmenslustiger Krieger gewesen, der zwar mit seinem Grenznachbarn in zahlreiche Fehden verwickelt war, die Mark jedoch nach Osten und Süden ausdehnen konnte und nicht zuletzt den eigenen Landadel in Schach hielt, was der Entwicklung Brandenburgs gut tat.

 

Schon 1349 erklärte Karl IV. Waldemar für einen Betrüger. Daraufhin ging dieser an den anhaltinischen Fürstenhof nach Dessau. Sein offizieller Rücktritt als Markgraf erfolgte 1355, als er die märkischen Städte ihrer Pflichten ihm gegenüber enthob und sie wieder an Ludwig den Älteren (den Römer) übergab. Als er 1356 in Dessau verstarb, erhielt er dort ein fürstliches Begräbnis.

 

Einige Sagen ranken sich um ihn.

So soll die Stadt Brietzen, weil sie ihm nicht huldigte und stattdessen Ludwig dem Römer die Treue hielt, später in Treuenbrietzen umbenannt worden sein. -

 

Das Dorf Markgrafpieske und die Markgrafensteine von Rauen, aus einem wurde die große granitene Schale gehauen, die vor dem neuen Museum in Berlin steht, werden mit dem Falschen Waldemar in Verbindung gebracht. Beide Orte liegen am Stadtrand Fürstenwaldes, nicht weit von Heinersdorf entfernt.

 

Und es wird erzählt, dass in einigen brandenburgischen Städten Bürger die Stadttore zumauern mussten, durch die der falsche Waldemar eingezogen war, und stattdessen neue Tore in ihre Stadtmauern brechen mussten, weil Ludwig der Römer durch ein Tor, das ein Betrüger benutzt hatte, nicht einziehen wollte.

 

Solche „Waldemartore" soll es in verschiedenen märkischen Städten wie in Fürstenwalde, Gransee und Templin gegeben haben.

Mit dem falschen Waldemar verbanden die Märker seinerzeit große Hoffnungen. Und so wurde er ab 1991 Namensgeber für den Vorläufer unseres heutigen Amtsblattes, welches das erste im damaligen Kreis Fürstenwalde war.

 

Der Name sucht möglicherweise seinesgleichen und ist für eine Zeitung etwas ungewöhnlich. Doch für die Steinhöfeler ist er ein fester Begriff geworden.

 

W. Funke

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